Erstgespräch

Warum LKW-Fahrer nicht kündigen, obwohl sie wollen

Was Fahrer im Betrieb hält, auch wenn sie längst gehen wollen.

Marketing Veröffentlicht Aktualisiert 9 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Viele LKW-Fahrer sind mit ihrem Job unzufrieden und bleiben trotzdem. Sie halten Kollegen, eine feste Tour, ein vertrauter Disponent und die Angst, beim neuen Arbeitgeber wieder bei null anzufangen. Diese Bindung ist aber brüchig: Ein besseres Angebot reicht, und der Fahrer ist weg. Wer die Haltefaktoren kennt, kann aus Bleiben echtes Bleiben-Wollen machen und im Recruiting gezielt die wechselbereiten Fahrer anderer Betriebe ansprechen.

49 %der befragten LKW-Fahrer sind mit ihrem aktuellen Job unzufrieden (Nutzer einer Jobplattform, 2024)JobMatch Zufriedenheitsreport 2025
196 Tagedauerte im Schnitt die Besetzung einer offenen Fahrerstelle (Aug. 2023 bis Juli 2024), über alle Berufe 148 TageBALM Marktbeobachtung 2024
69 %der befragten Fahrer ist Lob vom Vorgesetzten wichtigJobMatch Zufriedenheitsreport 2025
von 06

Warum kündigen unzufriedene LKW-Fahrer nicht einfach?

Für die meisten Fahrer fühlt sich ein Wechsel riskanter an als das Bleiben, auch wenn der aktuelle Job sie ärgert. Dabei wäre der Markt auf ihrer Seite. Berufskraftfahrer zählen seit Dezember 2019 zu den Engpassberufen der Bundesagentur für Arbeit1. In der Engpassanalyse 2025 heißt es, Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer würden „händeringend gesucht“2.

Trotzdem bleiben viele. Im Zufriedenheitsreport der Jobplattform JobMatch gaben 49 Prozent von fast 25.000 befragten Fahrern an, mit ihrem Job unzufrieden zu sein3. Die Zahl stammt aus dem Bewerber-Funnel einer Jobplattform. Wer dort antwortet, schaut sich eher schon um. Für alle Fahrer in Deutschland gilt sie also nicht. Sie zeigt aber, wie groß die Gruppe der Unzufriedenen sein kann.

Aus Sicht eines Fahrers spricht vieles gegen eine Kündigung:

  • Eine neue Probezeit, oft sechs Monate ohne echten Kündigungsschutz.
  • Unklarheit, ob Tour, Fahrzeug und Heimfahrten beim neuen Betrieb wirklich so sind wie versprochen.
  • Neue Kollegen, neue Kunden, neue Abläufe an fremden Rampen.
  • Die Sorge, dass es woanders nicht besser ist. Viele Fahrer haben das schon einmal erlebt.

Unzufriedenheit allein löst also selten eine Kündigung aus. Meist braucht es einen konkreten Anlass oder ein Angebot, das glaubwürdig besser ist.

von 06

Was hält Fahrer im Betrieb, obwohl sie gehen wollen?

Fahrer bleiben vor allem wegen Menschen und Gewohnheiten, nicht wegen des Unternehmens. Im JobMatch-Report sagten 73 Prozent der Fahrer, ein nettes Team sei ihnen im Zweifel wichtiger als spannende Aufgaben3. Für einen Beruf, der als Einzelkämpfer-Job gilt, ist das ein deutliches Ergebnis.

Bild folgt
Platzhalter: Foto aus einer Kampagne, z. B. Fahrer mit Disponent an der Rampe.

Dazu kommt das Alter. Laut Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) waren 2023 rund 33,1 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Berufskraftfahrer 55 Jahre oder älter, unter 25 Jahre alt waren nur rund 2,6 Prozent1. Wer zehn Jahre vor der Rente steht, wechselt seltener auf Verdacht.

Die folgende Tabelle zeigt typische Haltefaktoren und wie stabil sie sind.

HaltefaktorWas dahinterstecktWie stabil er ist
Kollegen und TeamMan kennt sich, hilft sich, telefoniert unterwegsStabil, solange das Team zusammenbleibt
Fester DisponentKurzer Draht, Verständnis für private TermineBricht weg, wenn der Disponent geht
Feste Tour und HeimatnähePlanbare Abende, bekannte Kunden und RampenWackelt bei jeder Tourumstellung
Eigenes FahrzeugFahrer richtet sich die Kabine einGering, ein Konkurrent bietet oft neuere LKW
Angst vor der ProbezeitUnsicherheit, ob der neue Job hält, was er versprichtGering, schwindet bei einem konkreten Angebot
Alter und RentennäheKein Neuanfang mehr kurz vor der RenteHoch, endet aber mit dem Ruhestand

Auffällig ist: Fast alle diese Faktoren hängen an Personen oder Umständen, die Sie nur zum Teil steuern. Der Fahrer bleibt wegen seines Disponenten, nicht wegen Ihrer Firma. Geht der Disponent, fällt der wichtigste Grund weg.

von 06

Warum ist ein Fahrer, der nur bleibt, ein Risiko für Ihre Spedition?

Ein Fahrer, der aus Gewohnheit bleibt, geht beim ersten besseren Angebot, und solche Angebote kommen. Das BALM berichtet, dass Abwerbungen von Fahrern im Güterkraftverkehrsgewerbe „eine große Rolle“ spielen1. Einzelne Unternehmen meldeten außerdem Unzufriedenheit beim Personal und Abwanderung in die Industrie, weil Lohnerhöhungen 2022 und 2023 oft nicht mit der Inflation Schritt hielten1.

Wie schnell Bindung kippt, zeigt der Gallup Engagement Index für alle Beschäftigten in Deutschland. 2024 sahen sich nur noch 50 Prozent in einem Jahr bei ihrem aktuellen Arbeitgeber, 2018 waren es 78 Prozent4. Von den Beschäftigten ohne emotionale Bindung suchten 63 Prozent aktiv oder schauten sich um4. Diese Werte gelten branchenübergreifend, nicht speziell für Fahrer. Die Richtung passt aber zu dem, was Speditionen täglich erleben.

Teuer wird es, wenn der Fahrer dann wirklich geht. Eine offene Stelle für Fahrzeugführer im Straßenverkehr blieb von August 2023 bis Juli 2024 im Schnitt 196 Tage unbesetzt, über alle Berufe waren es 148 Tage1. Ein halbes Jahr lang steht ein LKW also womöglich still, oder Kollegen fangen die Touren mit Überstunden auf. Das belastet genau die Fahrer, die Sie eigentlich halten wollen.

Dazu kommt ein leiser Schaden: Wer innerlich gekündigt hat, macht Dienst nach Vorschrift. Laut Gallup fühlen sich nur 36 Prozent derjenigen, die Dienst nach Vorschrift machen, für die Qualität ihrer Arbeit verantwortlich4. Bei einem Fahrer zeigt sich das an der Rampe, im Kontakt mit Ihren Kunden und am Zustand des Fahrzeugs.

von 06

Woran erkennen Sie, dass ein Fahrer innerlich schon gekündigt hat?

Innere Kündigung zeigt sich selten in einem großen Knall, sondern in kleinen Veränderungen über Wochen. Disponenten sehen diese Signale meist zuerst, weil sie täglich mit den Fahrern sprechen. Achten Sie besonders auf:

  • Der Fahrer meldet sich nur noch, wenn es sein muss, und lehnt kurzfristige Zusatztouren konsequent ab.
  • Kleine Probleme werden nicht mehr selbst gelöst, sondern zurückgemeldet.
  • Er fragt auffällig oft nach Urlaub, Überstundenstand oder Kündigungsfristen.
  • Kollegen erzählen, dass er sich nach anderen Firmen erkundigt hat.
  • Beschwerden werden seltener. Wer nichts mehr erwartet, beschwert sich nicht mehr.

Der letzte Punkt wird oft falsch gelesen. Ein Fahrer, der ständig meckert, will etwas verändern und hofft noch auf Sie. Ein Fahrer, der plötzlich still wird, hat diese Hoffnung womöglich aufgegeben.

Ich hab drei Jahre gesagt, was nicht läuft. Irgendwann hab ich aufgehört. Gekündigt hab ich erst, als einer angerufen hat und mir eine feste Tour mit Wochenende zu Hause angeboten hat.

Fernfahrer, 51, aus einem Bewerbergespräch (anonymisiert)
von 06

Wie machen Sie aus Bleiben echtes Bleiben-Wollen?

Echte Bindung entsteht, wenn Fahrer spüren, dass ihr Alltag gesehen wird und sich etwas bewegt. Geld bleibt dabei wichtig. Das BALM beschreibt den Lohn als Faktor von „hoher Bedeutung“ für die Arbeitszufriedenheit vieler Fahrer1. Laut einem Bericht zum IRU Driver Shortage Report 2025 reicht Lohn allein aber nicht mehr. Fahrer achten zunehmend auf planbare Arbeitszeiten, mehr Zeit zu Hause, moderne Fahrzeuge und sichere Parkplätze5.

Viele Hebel kosten wenig, verlangen aber Konsequenz:

  • Anerkennung im Alltag. 69 Prozent der Fahrer im JobMatch-Report ist Lob vom Vorgesetzten wichtig, 59 Prozent erwarten Unterstützung vom Arbeitgeber3. Ein kurzer Dank nach einer schwierigen Tour wirkt mehr als eine Feier im Jahr.
  • Planbarkeit. Viele Beschäftigte erwarten laut BALM bessere Arbeitsbedingungen, etwa Arbeitstage nur von Montag bis Freitag1. Wer das nicht bieten kann, sollte Touren und freie Tage zumindest früh und verlässlich planen.
  • Den Disponenten stärken. Er ist die wichtigste Bezugsperson des Fahrers. Geben Sie ihm Zeit für Gespräche, nicht nur für Tourplanung.
  • Regelmäßige Gespräche. Fragen Sie nicht erst im Kündigungsgespräch, was fehlt. Ein kurzes Gespräch pro Quartal reicht oft, um Probleme früh zu sehen.
  • Lohn ehrlich prüfen. Vergleichen Sie Ihr Gehalt mit Betrieben in der Region, auch mit der Industrie. Fahrer tun das längst.

Wichtig ist, dass auf Gespräche auch Taten folgen. Wenn ein Fahrer ein Problem anspricht und sich danach nichts ändert, verlieren Sie mehr Vertrauen, als wenn Sie gar nicht gefragt hätten. Sagen Sie lieber offen, was nicht geht, und setzen Sie das um, was geht. Schon eine sichtbare Verbesserung im Quartal zeigt Ihren Fahrern, dass ihre Meinung zählt.

Praxistipp von TransLog Marketing

Fragen Sie Ihre Fahrer, warum sie geblieben sind, nicht nur, warum andere gegangen sind. Aus unseren Kampagnen kennen wir das Muster: Die Gründe, die Ihre Stammfahrer nennen, etwa ein fester Disponent oder planbare Heimfahrten, sind meist auch die Argumente, auf die wechselwillige Fahrer anderer Firmen am stärksten reagieren. Schreiben Sie diese Gründe wörtlich in Ihre Stellenanzeigen.

von 06

Was bedeutet das für Ihr Fahrer-Recruiting?

Die besten Kandidaten für Ihre offenen Stellen sind oft Fahrer, die woanders schon gehen wollen, aber nicht aktiv suchen. Sie lesen keine Jobbörsen und schreiben keine Bewerbungen. Sie scrollen abends in der Kabine durch Facebook oder Instagram und bleiben hängen, wenn ein Angebot ihr Problem trifft.

Für diese Fahrer muss Ihre Anzeige vor allem eines tun: das Risiko eines Wechsels kleiner machen. Das gelingt mit konkreten Angaben statt Floskeln:

  • Welche Tour genau, welches Fahrzeug, wann ist der Fahrer zu Hause?
  • Wer ist der Disponent, und wie erreicht man ihn?
  • Wie läuft die Einarbeitung, und wer fährt die ersten Tage mit?
  • Wie schnell meldet sich die Spedition nach einer Bewerbung?
Schon bei uns erschienenWie viele Bewerbungen eine Fahrerstelle braucht

Ein Detail wird oft unterschätzt: Fahrer reden miteinander. Was Ihre eigenen Fahrer an Raststätten und Rampen über Sie erzählen, wirkt stärker als jede Anzeige. Zufriedene Stammfahrer sind deshalb auch Ihr bester Recruiting-Kanal.

Die Bewerbung selbst sollte in wenigen Minuten am Handy möglich sein, ohne Lebenslauf. Aus unseren Kampagnen wissen wir: Ein Rückruf innerhalb eines Tages entscheidet häufig darüber, ob ein unentschlossener Fahrer im Prozess bleibt. Wer eine Woche wartet, verliert ihn oft an den Betrieb, der schneller war.

Und die eigene Seite gehört dazu. Jeder Fahrer, den Sie abwerben, kann auch Ihnen abgeworben werden. Recruiting und Bindung sind deshalb zwei Seiten derselben Aufgabe.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Warum bleiben LKW-Fahrer bei einem Arbeitgeber, mit dem sie unzufrieden sind?

Meist wegen Kollegen, einem vertrauten Disponenten, einer festen Tour und der Sorge vor einer neuen Probezeit. Ältere Fahrer wechseln zudem seltener, weil ein Neuanfang kurz vor der Rente riskant wirkt.

Was ist LKW-Fahrern bei ihrem Arbeitgeber am wichtigsten?

Der Lohn bleibt wichtig. Dazu kommen ein gutes Team, Anerkennung durch Vorgesetzte, planbare Arbeitszeiten und mehr Zeit zu Hause. Im JobMatch-Report 2025 nannten 73 Prozent ein nettes Team und 69 Prozent Lob vom Vorgesetzten als wichtig.

Woran erkenne ich, dass ein Fahrer kündigen will?

Typische Signale sind weniger Kommunikation, Ablehnung von Zusatztouren, Fragen nach Kündigungsfristen und auffällig wenig Beschwerden. Disponenten bemerken diese Veränderungen meist zuerst.

Wie lange dauert es, eine Fahrerstelle neu zu besetzen?

Laut BALM dauerte die Besetzung einer offenen Stelle für Fahrzeugführer im Straßenverkehr von August 2023 bis Juli 2024 im Schnitt 196 Tage. Über alle Berufe lag der Wert bei 148 Tagen.

Wie erreiche ich Fahrer, die wechseln wollen, aber nicht suchen?

Über Social-Media-Anzeigen mit konkreten Angaben zu Tour, Fahrzeug, Heimfahrten und Ansprechpartner sowie eine kurze Bewerbung per Handy ohne Lebenslauf. Entscheidend ist eine schnelle Rückmeldung nach der Bewerbung.

Fazit

Was heißt das für Ihre Spedition?

Dass ein Fahrer nicht kündigt, heißt nicht, dass er bleiben will. Viele Fahrer halten nur Kollegen, ein vertrauter Disponent und die Angst vor dem Neuanfang. Sobald ein Konkurrent ein glaubwürdig besseres Angebot macht, ist diese Bindung vorbei, und die Stelle bleibt im Schnitt monatelang offen.

Prüfen Sie deshalb zuerst, warum Ihre Fahrer bleiben, und stärken Sie genau diese Gründe. Geben Sie Ihren Disponenten Zeit für Gespräche, planen Sie verlässlich und sagen Sie Danke. Nutzen Sie dieselben Gründe im Recruiting, um wechselbereite Fahrer anderer Betriebe zu erreichen. Wenn Sie dabei Unterstützung möchten, sprechen Sie uns an.

Quellen

Quellen

  1. Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM), Marktbeobachtung Güterverkehr: Auswertung der Arbeitsbedingungen in Güterverkehr und Logistik 2024 – Fahrerberufe
  2. Bundesagentur für Arbeit, Pressemitteilung „Qualifizierte Fachkräfte weiterhin gesucht“, 28.05.2025
  3. JobMatchMe GmbH, Großer Zufriedenheitsreport LKW-Fahrer in Deutschland 2025 (Erhebung 2024, 24.999 Antworten)
  4. Gallup, Engagement Index Deutschland 2024
  5. eurotransport.de, IRU: Europa fehlen 500.000 Lkw-Fahrer, 08.07.2026

Ziel

In 2 Minuten zu deinem ersten Gespräch.

Gib dir Mühe – wir merken den Unterschied.

Los geht’s
JB
Geschrieben von

Jana Becker

Marketing bei TransLog Marketing. Platzhalter: Jana plant Recruiting-Kampagnen für Speditionen und wertet aus, warum Fahrer sich bewerben oder abspringen.

Weiterlesen